Lyrik von Friedrich Treber - Selbstbetrug um's Morgen?

Eine alte Mauer in Heraklion
Zeugin Bluts und Lebens in Jahrhunderten.
Schattenkreis, wie oft umzog er sie?
Morgen, hindern's Wolken nicht, wohl wieder.
Wirft sie einmal nicht mehr Schatten,
heißt das nicht des Wechsels Ende.

Draufgesprayt von einem jener,
reicher Länder Forderungen satt,
Wunschtraum - Leben laufen lassend hier:
"Today's today, tomorrow never comes!"

Morgen wuchs zu heute, seit die Erde steht.
Ölbaum wuchs gepflanzt, gepflegt,
schenkt Frucht nach Jahren.
Wem das Morgen heute wurde,
lag die Rechnung auf dem Tisch!

© Text mit freundlicher Genehmigung von Friedrich Treber. Der Künstler und Schauspieler Friedrich Treber, Jahrgang 1943, ist Lehrer im Ruhestand und lebt im pfälzischen Pirmasens.

Werkverzeichnis Friedrich Treber:
Ein Geschenk für Lehrer Müller? Weinheim, 1994
Sitzengeblieben. Weinheim 1994
Glaube, Liebe, und so weiter. Weinheim 1998
Alleine hält das keiner aus! Weinheim 1999
CD: Steine und Blumen. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2005
CD: Von der anderen Seite. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2008
Pressenet www.pressenet.info

Christiane Rühmann - Geschichten

Mundart von Manfred Dechert - Kalter Vadder kalter Bu

Du bleeder SS-Vadder hasch lang gnung vezählt
wie schääs domols im dritte Reich war
Do hallsche jetzt Dei Maul vun weeche
dere entartete Kunscht wo ich mach
Do leische jetzt kalt de Hitler werd sich frää
wannde hochkummsch
Des Schtehe vor de Leich vum Lieblingsfeind wie kalt
werds dem Haschbu vorm kalte Vadder
vun dem de Parre sat: E Seel vun Mensch!

Du bleeder Bu hasch bloß des Haschzeich gschluckt
Unn die bleede Krachmusik gmacht entartet entartet
do gebts kää pälzisches Wort fer so bleede Musik
fer die bleede Krawallgitarremusikvehunzer do
Wie schää de Hascher hots gfall doch
de aaschtännich Pälzer hot sich vor Eich Langhaariche gkrault
Pui Deifel, Pui Deifel bei dem bische jo jetzt
weilde Dich bleedghascht hasch statt Beamter se werre
unn Der Dei Hirnkaschte metem Motorrad ningfahr

Du bleeder Metzjermeschter drei Daa vor de Rente
hot der e noch größerer Ochs wo higtrett
Des tut so weh doch de Hitler hot Dich hämgholt
Meensche ich heil aa noch vor Deiner Leich
Kalter Vadder kalter Bu
wie grauselich sich die Leich vum annere vorseschtelle
Wannde Parre dann vezählt was fer e
irregeleitete Seel de Haschbu war
unn die Kiffer schmeiße Blume ins Loch
käänt de Vadder ninschieße wie domols

Wie hot so eener mei Bu werre kenne
unn so eener mei Vadder
unn sinn ganz leerich am Sarch vum annere –
weil de Lieblingsfeind is gang

Über Manfred Dechert: http://raeuber77.de/Dechert.html 
Text mit freundlicher Genehmigung von Manfred Dechert für Pressenet 

Hier spricht Andy

Fäden - Die Muster des Universums

Ich bin aufgestanden, gehe zum Bogen, der hinausführt in die Nebel... die Nebel und die Sterne im Grau. Es war nie anders gewesen, es wird niemals anders sein. Meine Schwestern und ich verlassen diesen Ort nicht, wir gehen nirgendwohin und sind doch überall.

Mein Rücken schmerzt, oder ist es nur die Erinnerung an Schmerz? Ich drehe mich um und sehe in das Dämmern des Raumes, sehe meine beiden Schwestern sitzen wie Schemen gegen das matte Licht der Lampe, über ihre Arbeit gebeugt und schweigend. Keine von uns bräuchte das Licht, um unsere Aufgabe zu erfüllen, wir könnten es mit geschlossenen Augen tun. An die Wand gelehnt spüre ich Erleichterung darüber, nicht mit gebeugtem Rücken sitzen zu müssen.

Ich gebe mich dem Genuss hin, die Augen in die Höhe zu richten anstatt auf meine Hände und den Faden. Aber das Blitzen der Scherenklingen erreicht trotzdem meine Augen... es ruft zurück und ich gehe den Weg zu meinem Platz. Sie benutzt schweigend das Arbeitsgerät, meine graue Schwester, und schneidet konzentriert und genau. Kleine sanfte Blitze im weichen Schatten dieser Halle. Als ich vorbeigehe, wird das Murmeln der anderen zu einem Wimmern... oft, ja oft ist das so, ich erinnere mich.

Sie beugt sich tiefer über ihre Fäden, löst hier Knoten und knüpft da andere, schnell und geschickt. Ihre Finger bluten, sie hält ihre Hände immer wieder dicht vor die Augen und murmelt. Streicht glatt und ordnet, legt zusammen und trennt. Es schmerzt sie... ich öffne meinen Mund um zu sprechen, ihr etwas zu sagen.

Es ist ungewohnt, es fällt schwer und ich kann mich nicht an ihre Namen erinnern. An ihre vielen Namen... sie schluchzt leise und schüttelt den Kopf hin und her, während ihre Hände fliegen, und ihre Finger sind feucht von Blut. Als ich bei ihr meinen Schritt verhalte, fällt mir einer der Namen ein und ich sage "Es ist gut... Lachesis... lass... scht... es ist ja gut..."

Zu dieser Geschichte: Sie ist dann verständlich, wenn man über die Nornen oder auch Parzen Bescheid weiß. Die drei Göttinnen kennt der gesamte europäische Kulturkreis... nur die Namen variieren. Die erste spinnt den Lebensfaden, die zweite knüpft die Fäden in das Muster und die dritte schneidet den Lebensfaden durch. In meiner Variation nun hat die mittlere den schwersten Dienst... sie muss es fertigbringen, ihre Fäden nach den Narrheiten und Verwirrungen der Menschen neu zu knüpfen, ob ihr das Muster gefällt oder nicht.

Sie will nie Schlechtes... doch bleibt ihr meist keine Wahl. Denn sie kann nichts festlegen, sie muss den Fluss anpassen. Das Universum hat seine eigenen Muster. Und der Mensch kann im Einklang mit dem Ganzen sein - oder eben in striktem Gegensatz - was wohl meist der Fall ist. Damit nun die Kluft, die Disharmonie nicht zur Katastrophe führt... muss sie angleichen und ausgleichen und in Windeseile knüpfen und lösen und weben.

Meine drei sind eher Dienerinnen, die niemals von ihrer Arbeit befreit werden können... sie leben außerhalb der Zeit.

© Text und Fotomaterial mit freundlicher Genehmigung von Puck Grünenwald für Pressenet

Verse in Farbe von Rainer Thielmann - Samadhi

Lass die Gedanken
Halt keinen fest
Achte den Atem hoch
Ohne Verlangen
Ruh ohne Rest
Falle ins Tagesrot

Heil die Gefühle
Kehre zurück
Führ dich vertieft gen Null
Hab keine Ziele
Forder kein Glück
Üb Dich froh in Geduld

Schöpf aus dem Leeren
Lös dich vom Ich
„Om“ sonnt dich frei vom Joch
Ohne Begehren
Alles und nichts
Fällt in ein weißes Loch

Aus: „Indien von innen - rätselhaft magisch, wundersam fremd“
Verse in Farbe von Rainer Thielmann
© by Reiselyrik Verlag Emmelot & Thielmann GbR /
www.indienvoninnen.de 
ISBN: 978-3-9812583-0-1
Text mit freundlicher Genehmigung von Rainer Thielmann für
Pressenet 

Die besten Bands der Welt

Lyrik von Friedrich Treber - Möwen hinter dem Dorschboot

Letzte Fangzeit ausgeläutet.
Dorschboot, hafenwärts den Kiel!
Jagderleben hat's bedeutet
Freizeitfischern, frei von Not,
Fangen, Töten fast nur Spiel.

Beute säubert man von allen
Teilen Mensch' nicht zum Verzehr.
Erster Bauchschnitt - und schon fallen
Möwen schreiend aus dem Himmel,
wo die Luft noch eben leer.

Weit gesperrt die Schnabelzangen
rudern hinterm Heck sie her,
Weggeworf'nes aufzufangen:
Kopf, Herz, Leber, Därme, Blasen
zwischen Reling und dem Meer.

Hälse, würgend, fast zerspringen.
Brocken, der zu groß, versinkt.
Schnäbel, zwei, ein Darmstück fingen
prall von Kot, wird weggerissen,
bis ein Sieger es verschlingt.

Kleine sind leer ausgegangen.
Deck geschrubbt, es gibt nichts mehr!
Jammerschrei noch voll Verlangen.
Hunger treibt zu neuer Suche.
Hinterm Heck die Luft ist leer.

© Text mit freundlicher Genehmigung von Friedrich Treber. Der Künstler und Schauspieler Friedrich Treber, Jahrgang 1943, ist Lehrer im Ruhestand und lebt im pfälzischen Pirmasens.

Werkverzeichnis Friedrich Treber:
Ein Geschenk für Lehrer Müller? Weinheim, 1994
Sitzengeblieben. Weinheim 1994
Glaube, Liebe, und so weiter. Weinheim 1998
Alleine hält das keiner aus! Weinheim 1999
CD: Steine und Blumen. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2005
CD: Von der anderen Seite. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2008

Christiane Rühmann - Geschichten

Wölfe

Es ist kalt gewesen...wir waren lange unterwegs um Nahrung herbeizuschaffen für die Kinder. Der Winter ist hart, sehr hart.. und die Jagd ist nicht gut.

Unsere Jäger müssen lange laufen um Erfolg zu haben. Jetzt bricht der Tag an und ich bin müde, so müde. Das seltene Festmahl hat uns alle erschöpft.

Die Kleinen seufzen im Schlaf, sie sind aneinandergekuschelt und haben es warm. Plötzlich trägt der Wind mir Stimmen zu.. ich hebe den Kopf um zu lauschen... ah diese Töne.. seit Anbeginn der Zeit greifen diese Töne.. diese Laute mit eisigen Zungen an das Herz meines Volkes.

Sie sind unterwegs.. diese unheimlichen Geschöpfe.. sie sind mit ihren Rudeln gewandert und kreuzen unsern Weg.. vielleicht haben sie uns entdeckt.. vielleicht ziehen sie vorüber.

Ich bin zu unruhig um zu schlafen... sachte erhebe ich mich vom Lager um die Kleinen nicht zu stören und gehe vor die Höhle, in der wir lagern.

Im zunehmenden fahlen Licht des Morgens ist alles wie erstarrt... aber jenseits des Hügelkammes höre ich ihre Gesänge. Die unheimlichen Laute lassen mich erstarren vor Angst und Furcht und Abscheu.. ich weiss dass wir weiterziehen müssen.

Es ist nicht mehr sicher für den Clan hier... für die Kinder. Wir werden Wachen aufstellen solange es hell ist.. und in der kommenden Nacht brechen wir auf. Jetzt müssen wir ruhen nach der anstrengenden Jagd.

Eine Bewegung.. lautlos wie ein Schatten kommt mein Gefährte hinter mir aus der Behausung. Seine Anwesenheit beruhigt mich sofort.. er sieht in meine Augen.. er versteht und spürt meine Angst und meine Unruhe. Wie immer sind wir eins. Er gibt mir Zuversicht durch seine Ruhe und Stärke.. aber er weiss, ich werde unruhig sein bis wir zwei Nächte von diesem Ort entfernt sind.

Die Kleinen müssen noch getragen werden, das erschwert das Fortkommen.. aber wir grauen Jäger sind schnell und ausdauernd.. und für unsere Kinder kämpfen wir. Er stösst mich sacht mit der Schnauze an, und meine Angst verfliegt. Wir werden traben…

© Text und Fotomaterial mit freundlicher Genehmigung von Puck Grünenwald für Pressenet

Hier spricht Andy

Lyrik von Manfred Dechert - Bei den Bäumen sein

Bei den Bäumen sein
Zwei Schrauben zwei Muttern
Beim Reperatursatz Behindertenwerkstatt
Zwei und zwei und
Zwei und zwei
Zweige trösten mich doch
Monotonie Krankheitsgespräche
Tabletten Schweigen nicht
zwei Liebende unter einem Baum
sondern sprechend Schweigende
Neonröhre Gutelauneradiogedudel möchte
bei den Bäumen sein

Zwei auf einer Bank
Ein Vogel erzählt
Zwei Gedanken in einem unter
einer Birke dazu gesellt sich Reh und Hase
nie beim Reperatursatz unter Neon
Bei den Bäumen sein bei den…
Aufhören zu träumen weiterarbeiten
Der Gruppenleiter zwei und zwei
zwei Träumende in einer Baumkrone
Ein Minnesänger ein Baum weiter
Nicht schweigen sondern glücklich
werde ich beim Reperatursatz nie

Nachts die Träumer im Wald
rezitieren Verse und Rehe hören zu
Mit geschlossenen Augen zwei Schrauben
zwei Muttern eintüten in der Behindertenwerkstatt
Nicht einschlafen ein Arbeitskollege lacht blöd
Nicht träumen der Gruppenleiter
kennt sie nicht die bei den Bäumen sind
Die bei ,meinen Bäumen sind

Zwei Schrauben zwei Muttern
Niemals weinen müssen ohne Trost
unter milder Sonne statt Neon
Deine Hände und zwei und zwei
halten meine unter meinen Bäumen
viele Hände halten einander
doch nie beim Reperatursatz
werde ich aufhören uns zu träumen –
Zu meinen Bäumen, unseren Bäumen

Über Manfred Dechert: http://raeuber77.de/Dechert.html
Text mit freundlicher Genehmigung von Manfred Dechert
Pressenet
www.pressenet.info

Christiane Rühmann - Geschichten

Lyrik von Friedrich Treber - Schwanenlicht

Durch Wasser, rätseltief und dumpf,
der Nebel drüber frißt den Tag,
sucht gierig fragend hast'ger Ruderschlag
ein Ufer, eine Stelle ohne Sumpf.

Und da, als bräch', wenn auch noch von sehr weit,
ein Sonnenstrahl sich einzeln Bahn,
zieht gleichen Weg's mit mir ein junger Schwan,
und unsre Wellen spielen ineinander kurze Zeit.

Entwachsen seinem Frühlingsflaum nicht ganz,
hebt ihn schon jede Linie über das Gemeine.
Bald spiegeln seine Federn Sommers Glanz.

Sein Sommer, wird es sein und nicht der Deine!
Beug dich und rud're, sahst du doch ein Licht!
Freu dich des Wegsterns, Stein ins Boot nimm nicht!

© Text mit freundlicher Genehmigung von Friedrich Treber. Der Künstler und Schauspieler Friedrich Treber, Jahrgang 1943, ist Lehrer im Ruhestand und lebt im pfälzischen Pirmasens.

Werkverzeichnis Friedrich Treber:
Ein Geschenk für Lehrer Müller? Weinheim, 1994
Sitzengeblieben. Weinheim 1994
Glaube, Liebe, und so weiter. Weinheim 1998
Alleine hält das keiner aus! Weinheim 1999
CD: Steine und Blumen. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2005
CD: Von der anderen Seite. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2008

Pressenet www.pressenet.info

Die besten Bands der Welt