2009-07-03

Sylvia Amstadt: Verlorene Menschheit - Der Dominoeffekt

Millionen Gesichter
tragen ihre Augenblicke
jetzt gleichgültig
aneinander vorbei,
gleichzeitig müde
und gleich
stark verzweifelt.

Auf ihren Stirnen
verdunsten genau in diesen Sekunden
die letzten Funken Hoffnung.

Die Hoffnung
ist jetzt
tot.

Das einst noch so eifrige
heitere Glitzern
in jenen Augenblicken
dieser Gesichter,

verwandelt sich nun in Gift,
verwandelt sich jetzt in Flüssiges,
verwandelt sich jetzt in so Bitteres,

dass es selbst das Salz
in ihren Tränen vernichtet.

Das Salz
ihrer Tränen
ist jetzt

bitter.

Millionen Gesichter
tragen jetzt verbittert
ihre Augenblicke

gleichgültig
aneinander vorbei,
gleichzeitig müde
und gleich
stark verzweifelt,

schaut jedes Auge jetzt
auf eine verlorene
Menschheit.

- - -

Sylvia Amstadts erstes Buch "Capital Wor(l)ds - Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung" erscheint am 31. August 2009 beim Novum Verlag.

Lyrik ohne Formeln! Dafür aber die Wahrheit in Dichtung. Mitten im Leben, von der Seele geschrieben. Gesellschaftskritisch ebenso wie gesellschaftsfähig! Der hoffende Mensch steht im Mittelpunkt von Sylvia Amstadts „Capital Wor(l)ds“.
Der mit sich und der Welt kämpfende Mensch, der nach Versöhnung sucht und sein Vertrauen anbietet, weil er selbst niemals genug davon haben kann. Sylvia Amstadt jongliert mit Worten, sie lässt sie in die Herzen der Menschen tanzen, mal mit zarter Ironie, mal mit mitreißendem Tiefsinn.

Sylvia Amstadts gesellschaftskritische Gedichte entführen in eine Welt, in der Hoffnung, Liebe und Neugier stärker sind als Einsamkeit, Verzweiflung und Angst. Geboren 1984 in Mainz, ist sie seit 1997 Poetin, Künstlerin und Autorin. Ihre Freizeit verbringt sie mit Tätigkeiten wie Philosophieren, Diskutieren, Formulieren und Schreiben. Wesentlich ist für sie, in allem, was sie tut, dass sie Menschen erreichen kann.

Sylvia Amstadt
Capital Wor(l)ds
Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung
ISBN 978-3-85022-869-5

Sylvia Amstadt im Web: www.autorin-sylviaamstadt.de

Hinweise zum Internet-Forum: "Gesellschaft mit beschränkter Hoffnung"
Leseprobe von Sylvia Amstadt: Die Abrechnung

© Alle Texte und Abbildungen mit freundlicher Genehmigung von Sylvia Amstadt
Pressenet www.pressenet.info

Hier spricht Andy

2009-07-02

Der Teufelsweg vom Falkenstein

Einer alten Überlieferung nach lag nicht weit von Frankfurt am Main die Ruine einer Burg Falkenstein auf schroffem und fast unzugänglichem Fels, ehemals nur mühsam über Felsbrocken und Grate zu erreichen. Wie es zustande kam, dass dann plötzlich ein Weg zur Feste führte, erzählt die folgende Legende.

An einem Frühjahrstag vor einigen hundert Jahren stieg ein junger Edelmann, Kuno von Sayn, nur in der Begleitung zweier Knappen, den steilen und felsigen Stieg zur Burg Falkenstein hinauf. Für Pferde war der Fels nicht gangbar, kaum für Menschen. Trotzdem kam den Ritter der Aufstieg nicht schwer an, wollte er doch heute beim Burgherren um die Hand der Tochter anhalten, der er in inniger Liebe zugetan war.

Das schöne Mädchen liebte ihn nicht weniger, das hatte sie ihm in den kurzen, aber köstlichen Momenten der Zweisamkeit bei allerlei Festen und Zusammenkünften der Edlen versichern können. So war Kuno guten Mutes und kam recht gut voran auf dem von Felszacken übersäten Berg, und hielt nur zuweilen an, um auf die beiden Edelknaben zu warten, die sich schwerer taten mit dem Aufstieg als er.

Endlich war das äußere Tor erreicht, und die Wachen gaben das Geleit in den Saal des mächtigen Falkensteiners. Der Burgherr war ein Mann von großem Einfluss und der Spross eines mächtigen Geschlechts, und als hochfahrend und nicht eben geduldig bekannt. Er hatte mit seiner schönen Tochter ein wertvolles Pfand, das ihm bei richtigem Einsatz noch mehr Einfluss sichern würde, wenn es ihm gelänge, die allerbeste Heirat zu arrangieren. Zwar war Kuno von Sayn kein geringer Mann und gewiss nicht arm zu nennen, aber die, die auf der Höhe stehen, wollen immer noch höher hinauf.

So empfing ihn der alte Falkensteiner recht kühl, begrüßte den Ritter nur mit einem lässigen Kopfnicken, derweil er in einem Lehnstuhl an einem Becher Wein nippte. Kuno wurde es etwas unbehaglich, zum erstenmal kam ihm der Gedanke, dass es mit seinen Plänen doch nicht so gut stand, wie er geglaubt hatte.

"Ihr wollt also um die Hand meiner Tochter anhalten", riss ihn die Stimme des Grafen aus seinen Betrachtungen. Der Alte musterte mit kaltem Lächeln den jungen Freier, der sich zustimmend verneigte. Dann erhob er sich aus dem Lehnstuhl und ging langsamen Schrittes zum Fenster. Dort blieb er vor den geöffneten Läden stehen und winkte Kuno mit herrischer Gebärde heran. "Wenn Ihr meine Tochter liebt, werdet Ihr dann wohl eine Aufgabe scheuen, die ich Euch stellen werde?"

Abwartend und mit hartem Blick fixierte der von Falkenstein den Ritter. "Fordert was Ihr wollt, ich werde alles tun, was in meiner Macht steht, denn ohne meine Liebe ist mein Leben sinnlos." Das waren tapfere und gleichzeitig närrische Worte, aber mit der aus dem Herzen kommenden tiefen Wahrheit gesprochen, die nur Liebenden zu Eigen ist. Doch der Burgherr lachte nur kurz und hart auf, fasste den jungen Mann an der Schulter und zeigte auf die Felsen hinab.

"Dort macht mir einen Weg zu meiner Burg, der für Mann und Ross zu gehen ist, und macht ihn mir in einer einzigen Nacht Eurer Wahl. Gelingt Euch das, dann gebe ich Euch die Hand meiner Tochter. Scheitert Ihr, werdet Ihr nicht einmal mehr ihren Schatten streifen. Nun macht Euch fort, junger Narr und packt Euer Werk baldigst an." Dann stieß er Kuno fort und begann unbändig zu lachen. Der Ritter stolperte aus dem Saal, das höhnische Gelächter in den Ohren, wusste er kaum, wie er aus der Burg und mit seinen besorgten Knappen den Berg hinunter kam.

In den folgenden Wochen wurde Kuno wie von einem Fieber ergriffen, er befand sich auf der Grenzlinie von Leben und Tod. Um die Felsen zu beseitigen und einen Weg zu ebnen, hätte es tausend Arbeiter gebraucht und gewiss ein ganzes Jahr oder gar mehr. Es war völlig unmöglich, dem Wunsch des Burgherrn zu entsprechen. Es war ihm aber ebenso wenig möglich, ohne seine Geliebte weiterzuleben.

Nur von diesen Gedanken besessen, wagte er eines Abends allein den Aufstieg zur Feste Falkenstein. Er achtete kaum darauf, wohin er die Füße setzte, er forderte den Tod heraus. Dieser aber, als der weitaus Stärkere, mied ihn und so kam Kuno unbeschadet den halben Weg hinauf. Dort setzte er sich auf einen Felsbrocken und starrte sehnsuchtsvoll zur Burg hinauf, wo seine Liebste ebenso litt wie er.

So saß er und merkte kaum, wie das weiche Tuch der Dämmerung über ihn fiel, als ein plötzliches Scharren ihn aus seinen gramvollen Gedanken riss. Ein Scharren - und gleich darauf wurden von einer heiseren Stimme folgende Worte in die abendliche Stille gesprochen: "Was sitzt Ihr hier, Kuno von Sayn, und trauert um etwas, das zu ändern doch in Eurer Macht liegt?"

Das schreckte den jungen Mann vollends auf. "Was meint Ihr damit... und wer seid Ihr?" Da trat aus der Dämmerung eine kleine Gestalt vor ihn, nicht höher als das Knie eines Mannes und mit grauen, verwitterten Gesichtszügen. Das kleine Männlein trug einen schwarzen Umhang, unter dessen Kapuze eisgraues struppiges Haar hervorlugte. Die rötlichen Augen sahen ernst und mitleidig zu Kuno hoch, als das Bergmännchen fortfuhr zu sprechen: "Wir kennen Deine Sorge und Deinen Wunsch, Edler von Sayn. Wir könnten Dir helfen, aber wie ihr Menschen sagt: Umsonst ist der Tod. Eine Tat ist der and´ren wert, und wenn Ihr uns Euer Wort gebt, soll alles so werden, wie Ihr es wünscht."

Da fuhr es Kuno kalt durchs Herz, denn ihm graute vor einem weiteren verpfändeten Wort. Doch hielt der Gnom seinem Blick ruhig stand, mit freundlichem Ausdruck und gelassener Gebärde. Außerdem hatte er ja nichts mehr zu verlieren, und so fragte der Ritter nach dem Begehr.

"Ihr stört unsere Ruhe, Mensch, mit Euren Stollen und Schächten, die Ihr in den Berg grabt, um zu suchen, was Ihr für wichtig haltet. Es ist unser Reich, in das Ihr Euch vorwagt. Wir könnten Eure Minen und Gruben mit allem darin ersäufen, wenn wir wollten - aber Euer Jammer dauert uns. Gebt uns Euer Wort, dass morgen alle Arbeiten eingestellt und alle Stollen zugeschüttet werden. Dann könnt Ihr dem Herrn auf Falkenstein eine Botschaft schicken, dass Ihr mit Eurem Tross am nächsten Morgen zur Burg reiten werdet, um sein Wort einzufordern. Für den Weg lasst uns sorgen."

Dem Ritter war zumute, als träume er, doch nach kurzem Zaudern gab er sein Wort. Das Erdmännchen verbeugte sich mit den Worten: "So soll es sein", und war verschwunden.

Noch in derselben Nacht gab Kuno die notwendigen Befehle und scherte sich nicht um die erstaunten Blicke seiner Leute. Am nächsten Tag befehligte er die Kolonnen der Arbeiter, packte wohl auch mit an, und ließ überdies dem Falkensteiner die besagte Botschaft zukommen.

Als die Nacht anbrach, war alles so geschehen, wie der Gnom gewünscht hatte. Mit müden Gliedern, aber in leidenschaftlicher Hoffnung, ging Kuno zu Bett, um zum ersten Mal seit Wochen tief und ruhig zu schlafen.

Beim ersten Morgengrauen standen die Pferde gestriegelt und gesattelt und mit verziertem Zaumzeug geschmückt für Kuno von Sayn und seinen Tross bereit.

Und als der Fuß des Burgfelsens erreicht war, da führte ein gut geebneter Weg hinan, ohne schroffe Felsen und gut angelegt. Mit je zu vieren nebeneinander kamen die Reiter gut voran und erreichten das Burgtor in kurzer Zeit und ohne große Mühen für Mensch und Tier.

Mit beherrschter Miene begrüßte der Burgherr den Ritter und ließ seine Tochter rufen. Ruhig legte er die Hände des Paares ineinander und verkündete öffentlich das Verlöbnis. Er war trotz seines Stolzes einer, der auf seine Ehre hielt und sein Wort nicht brach. Zudem war der Weg auch sein Gewinn, und ohne dass er etwas hätte dazutun müssen.

Das Volk aber nannte den neuen Zugang den "Teufelsweg", denn das hatte ja wohl nicht mit rechten Dingen zugehen können.

Frei nacherzählt von Ilona Elisabeth Schwartz http://www.pressenet.info/ 

Christiane Rühmann - Geschichten

2009-06-26

Klaus Störtebeker

"Stort `em op, Klaas". Mit diesen Worten wurde ein mächtiger Krug auf den rohen Holztisch gestellt, gerade vor den Kapitän. Mit blitzenden Augen sahen die Kerls bald auf den Mann, bald auf das Gefäß. In dem überfüllten Raum herrschte erwartungsvolle Stille. Vier Liter etwa fasste so ein Trumm und konnte mehr als einen Mann fällen, der "gut zum Zuge" kam.

Der Käpt´n richtete sich im Sitzen auf und straffte die Schultern, er zwinkerte in die Runde und holte Atem, fasste dann mit beiden Händen den Krug und setzte an. Man hörte so gut wie kein Geräusch, langsam und bedächtig ließ Klaus Störtebeker den Wein in seine Kehle laufen, stetig und ohne abzusetzen.

Nach endlos scheinenden Minuten plötzlich nahm der Mann den Riesenhumpen vom Mund, hob ihn hoch und setzte ihn hart mit dem Boden nach oben auf die Tischplatte. Dann brach die Hölle los, die Männer johlten und pfiffen, schrien Anerkennung und begeisterte Flüche in voller Lautstärke. Dem Mann war kaum etwas anzumerken, sein Gesicht war rot, aber er atmete ruhig und blickte klar in die Runde.

Bei einem, seinem Vertrauten und Freund, dem Kapitän Gödeke Michels, hielt er inne. Der Blick des anderen zeigte Besorgnis, er schaute ernst drein. Klaus Störtebeker schüttelte leicht den Kopf. „Es ist gut, mach dir keine Sorgen", sollte das wohl heißen. Aber Michels senkte den Blick. Er hatte die eine oder andere ungute Vorahnung in den letzten Tagen gehabt... das Kapergeschäft war zurückgegangen. Das allein war nicht besorgnis erregend, aber sie hatten einige Stützpunkte aufgeben müssen, weil die Mächtigen der Welt Federstriche auf Pergament gezogen hatten.

Jetzt saßen sie auf der verdammten roten Felseninsel fest wie die Füchse im Bau. Zwar waren die Schiffe der Vitalienbrüder den schwerfälligen und bauchigen Koggen der Hanse an Manövrierfähigkeit und Schnelligkeit überlegen, aber es gab Nachrichten, dass die Pfeffersäcke zum Gegenschlag ausholen wollten. Es war von neuen Waffen und Schiffen die Rede, und das gefiel Michels überhaupt nicht. Er fühlte sich um die Halsgegend etwas beengt, so als wäre eine leichte Berührung von Hanf spürbar. Er hätte lieber mit Klaas eindringlich über die Neuigkeiten gesprochen, anstatt Feste zu feiern in diesen unsicheren Zeiten.

Er beobachtete den Anführer Störtebeker, er kannte ihn wie keiner sonst, und er wusste, dass der Kapitän besorgt war. Er verstand auch, dass dieser den Männern die eigene Legende heute nacht vor Augen führen wollte, um den Zusammenhalt zu festigen. Aber er verstand nicht, dass Klaus nichts hören wollte von Vorsicht oder vielleicht von Rückzug.

"Aufhören wenn die Sonne am höchsten steht", dachte sich Michels, "sonst könnte der Fall sehr tief werden". Aber er würde die Fahrt mitmachen, auf Gedeih und Verderb zu Klaus Störtebeker stehen... mochte da kommen was wolle. "Gottes Freund und aller Welt Feind", murmelte er. "Sei es drum".

Die Befürchtungen des Kaperkapitäns sollten sich bewahrheiten. In Oktober anno 1400, kurz nach dem letzten Bechersturz des berühmten Piraten, wurde die Flotte der "Likedeeler" von den hanseatischen Schiffen aufgebracht. Die Hamburger verfügten über ein neues Kriegsschiff, die "Bunte Kuh", gegen die sogar der "Rote Teufel" Störtebekers nichts auszurichten vermochte.

Der Kapitän und dreißig seiner Männer wurden, in Fässern, wie es heißt, nach Hamburg gebracht. Gödeke konnte dem Desaster entkommen, wurde aber einige Zeit später ebenfalls dingfest gemacht und gehenkt.

Von der Hinrichtung Störtebekers erzählt die Sage, er habe mit dem Bürgermeister Kersten Miles einen Handel abgeschlossen. Störtebeker verlangte, dass alle Männer, an denen er nach seiner Köpfung vorbeigehen könne, ihr Leben behalten sollten.

Tatsächlich ging der Bürgermeister auf den unheimlichen Vorschlag ein, wohl zur Belustigung und auch weil niemand bis dahin einen Mann ohne Kopf hatte sehr weit gehen sehen. Aber zu jedermanns Erstaunen und unter heftigem Bekreuzigen der Zuschauer ging der kopflose Pirat mit unsicheren Schritten an elf seiner Männer vorbei.

Und niemand weiß, wie weit er noch gekommen wäre, wenn der Henker nicht ein Bein vorgereckt und den noch im Tod seinen Freunden treuen Kapitän zu Fall gebracht hätte. Der Bürgermeister aber brach sein gegebenes Wort und ließ alle hinrichten. Die Köpfe der Gehenkten spießte man auf Pfähle längs der Elbe, der Abschreckung wegen und zur Genugtuung der Geschädigten.

Das war das Ende von Klaus Störtebeker, dessen Name "Stürz den Becher" bedeutet. Und es war das Ende einer Ära, dessen Symbol er und seine Mannen waren... "Gottes Freund und aller Welt Feind".

Nacherzählt von Ilona Elisabeth Schwartz http://www.pressenet.info/ 

Sebastian Burckhardt

2009-06-25

Hexentanz auf dem Blocksberg

Die Nacht auf den ersten Mai ist angebrochen und jeder gottesfürchtige Mensch schließt die Läden und verrammelt die Tür. Ein Wind kommt auf und lässt die Hufeisen, die an die Pforten genagelt sind, als Schutz vor Hexen und Dämonen, klappern und gegen das Holz schlagen.

Die Dunkelheit fällt und der Wind wird stärker … in den Stuben drängen sich die Menschen aneinander und beten, während der Wind zum Sturm wird und Stimmen mit sich bringt. Das ist erst Flüstern und dann Schreien, ein Gejohle und Gekreische, und der Mond verdunkelt sich. Mit Brausen und Blitzen rauscht es über die Wipfel … es sind die Hexen, die zum Tanzplatz fliegen auf ihren Reisigbesen zum unheiligen Sabbat des Bösen. Und wehe dem, der sie sieht.

Halt. Jetzt erst einmal die Filmrolle wechseln.

Wiederum die Nacht auf den ersten Mai, die Bewohner des Dorfes gehen den Berg hinauf zu dem Heiligtum im Wald. Der ganze Tag war mit Festlichkeiten erfüllt, es ist das Frühlingsfest. Die Natur hat den langen Schlaf hinter sich und gebiert wieder aufs Neue. Nach dem Winter sind alle erleichtert, das Leben wird wieder ein wenig leichter.

Überall im Land lodern die Maifeuer und je nach Stamm oder Region wird der Tag und die Nacht begangen. Die "Zaunreiterinnen" der Germanen, die Hagazussen, befragen im heiligen Hain das Orakel … was wird das Jahr bringen an Gutem oder Schlechtem? Die Kelten begehen das Fest ähnlich. Überall wird gesungen und gefeiert - überall ist der Sinn derselbe: die Begrüßung des Lebens.

Aber die Mönche der Christen kommen ins Land und verbreiten „ihre“ Lehre des Lichtes. Ihre Botschaft ist die Ausschließlichkeit, alle Kraft und alles Leben kommt von dem Einen Gott.

Die neue Lehre verbreitet sich, die Heiligtümer vereinsamen in den Wäldern und Hainen, die weisen Männer und Frauen werden misstrauisch beäugt. Im Schutz der Dunkelheit klopft man immer noch an die Türen der Heiler und Besprecher, wenn Mensch oder Vieh krank geworden sind. Die Kirche hat an Macht gewonnen und beginnt, die alte Ordnung zu demontieren.

Wo man früher mit den Geistern der Natur im Einklang war, treiben nun Teufel und Dämonen ihr Unwesen und die Orte sind verflucht. Das alte Wissen gilt als Einflüsterung des Teufels und ist zu meiden. Der Reisigbesen, seit jeher ein Symbol der Reinigung und des damit verbundenen Schutzes, wird gar zum dämonischen Beförderungsmittel.

Nach der dunklen Zeit der Verfolgung der "Hexen" brach eine neue Karriere an: die hässliche Alte mit der Warze auf der Hakennase, und wahlweise einer schwarzen Katze oder einem Raben auf der schiefgewachsenen Schulter. Gut für Märchen, einiger DEFA-Filme, und als fragwürdiges Erziehungsmittel, da traditionell zarte Kinder auf dem Speiseplan der Hexen ganz oben stehen. Und auch heute noch ist das Verbrennen in den Märchen und Sagen Programm.

Eine Variante der fürchterlichen Alten ist so etwas wie eine Barbiepuppe in hautengem geschlitzten Kleid ohne allzuviel Stoff, den Spitzhut leicht schief auf den feuerroten Locken und lässig den Besen haltend, eine Hand in der Hüfte gestützt. Das ist das erotische Modell für Männer, die es ein wenig frecher mögen. In diesem Zusammenhang ist der Ausspruch "sie ist eine richtige Hexe" als Kompliment zu verstehen.

Der neueste Stand in Sachen Hexerei sind die "neuen Hexen". Frauen und Männer, die nach einem langen Blick auf die Zivilisations- und Glaubensgeschichte neue Wege suchen und dafür die alten erforschen. Naturheilkunde und die Rückbesinnung auf ganzheitliche Heilungsverfahren und Therapien, das Aktivieren innerer Kräfte sind ein Merkmal der Bewegung. Warzen und schwarze Tiere sind nicht zwingend notwendig.

So gesehen könnte sich der Kreis langsam schließen, denn viele Menschen besuchen die Blocksberge und Hexentanzplätze in dem Bewusstsein, ein altes Naturheiligtum vor sich zu haben. Die Natur als einen Teil von uns selbst wirklich erfahren … sich einfach darauf einlassen und genießen ist ganz bestimmt ein schönes Erlebnis.

Merke: im Einklang sein mit sich und der Welt ist keine Hexerei.

Essay von Ilona Elisabeth Schwartz http://www.pressenet.info/ 

Hier spricht Andy

2009-06-23

Lyrik von Friedrich Treber - In Zeiten des Verfehlens

Das Bild von dir, in dir, dem Menschenblick nicht offen,
zu fassen nicht in Psychotests und Zahlen,
das keiner Logik Elektronen auf den Bildschirm malen,
hast in der hingelebten Zeit es nicht getroffen.

Der Schmerz - du kennst ihn - bohrt, zeigt, daß es lebt.
Was trug und hielt, indessen unter dir zerfließt.
Und du in Dich das lügensüße Gift eingießt,
daß Nebel Fußverwirrer auf die Brücken webt.

Doch selbst ein tiefer Fall kann nähern uns dem Ziel.
Und wenn am am schönen Baum, jetzt winterstarr und kahl,
in dir aus zielfrei Spielen grünt ein einzig Blatt,

so sprach das Leben dir noch nicht das Urteil: "Matt".
Verborgen träumen Wege, spottend Maß und Zahl.
Nur geh, auf jedem Weg zählt ein Schritt viel.

© Text mit freundlicher Genehmigung von Friedrich Treber. Der Künstler und Schauspieler Friedrich Treber, Jahrgang 1943, ist Lehrer im Ruhestand und lebt im pfälzischen Pirmasens.

Werkverzeichnis Friedrich Treber:
Ein Geschenk für Lehrer Müller? Weinheim, 1994
Sitzengeblieben. Weinheim 1994
Glaube, Liebe, und so weiter. Weinheim 1998
Alleine hält das keiner aus! Weinheim 1999
CD: Steine und Blumen. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2005
CD: Von der anderen Seite. Laura Records, Eisenberg/Thüringen 2008

Die besten Bands der Welt

2009-06-20

Geist - Eros - Zärtlichkeit

Wir können nicht nicht aktiv sein, wir sind es. Immer. Jede Entscheidung ist Aktivität, jede Haltung, jedes Zulassen oder Eingrenzen eines Triebes. Wir gestalten die Spur unseres gelebten Lebens, füllen ununterbrochen unsere "Scheunen", um mit dem bildhaften Begriff Frankls zu sprechen. Wir schreiben unsere Biographie, wir sind als Geistige Person ihre Autorin.

Vor diesem Hintergrund ist jede Wertverwirklichung ein schöpferischer Akt. Wir gestalten die Welt und uns selbst. Der Mensch ist von seinem Geistigen her in seiner schöpferischen Dynamik auf die Welt bezogen. Sie zieht ihn an. Vor dem Hintergrund des Menschenbilds der Logotherapie schlage ich vor, dieses vom Geistigen her kommende Hingezogensein des Menschen zur Welt "Eros" zu nennen.

Dieser Eros ist offensichtlich primär ungerichtet, ist geistiges Potential. Wohin wir diese Kraft richten und in welcher Weise wir dies tun, fällt in den Freiheitsbereich unserer Person. Wir können sie in die Gestaltung unserer individuellen Werte einfließen lassen, oder in ihr Gegenteil, in die Destruktion. Im landläufigen Sprachgebrauch wird der Begriff "Eros" auf die Energie eingeengt, die sich auf die Sexualität bezieht. Meist wird mit dem Begriff nicht der geistige Prozess gemeint, den ich anpeile, sondern der auf das Vegetative oder Psychische bezogene Sexualtrieb des Menschen.

Wir sind immer frei darin, wie wir mit der Energie des Eros umgehen. Ob wir diese Kraft ins Destruktive oder ins Lebensfördernde lenken, liegt in unserer Entscheidung. Lebensfördernd wird der Eros dann, wenn er sich mit Sinn füllt, also mit einem Wert verbindet. Und eben in der Verbindung mit einem Wert bleiben wir auf der Ebene des Geistigen, mehr noch, wir verbinden uns vertieft mit dem Geist. Dies bedeutet "religio", Rückbindung an den Ursprung des Menschen. Die Verkörperung dieser Kraft auf der Erde ist die Individualität des Menschen, die Geistige Person, die ebenfalls nicht ableitbar, nicht bestimmbar ist, einzigartig ist und in sich reine Kraft. Im Gerichtet-sein auf den anderen in seiner geistigen Wesenhaftigkeit also verwirklicht sich menschlicher Eros in der Annäherung an sein höchstes Ziel (Eins-werdung mit dem All-einen).

Man könnte diesen auf die Individualität des anderen gerichteten Eros mit dem vertrauten Begriff der "Zärtlichkeit" beschreiben. Sie umfasst die körperliche, seelische und geistige Hinwendung zum Du, bei der der Stern der Individualität des Du nicht untergeht, sondern heller wird. In diesem Sinne umfasst Zärtlichkeit auch die spielerische Gestaltungskraft der körperlichen Begegnung zweier Menschen, schließt Leidenschaft, Ekstase und höchste Lust mit ein. Ziel der Zärtlichkeit ist die Einmaligkeit und Einzigartigkeit des Du, für das das Körperliche und Seelische ein "Kleid" sind. Eine solche Gerichtetheit des Eros überdauert auch die körperlichen Veränderungen, die Partner im Laufe ihres Älterwerdens an sich selbst und am anderen erleben. Es vertieft sich die Vertrautheit mit dem Geheimnis des Du, ohne dass dieses Geheimnis sich je entschlüsselt.

Martin Buber drückt diese Beziehungsqualität so aus: "Wer Du spricht, hat kein Etwas zum Gegenstand. Denn wo Etwas ist, ist ein anderes Etwas, jedes Es grenzt an andere Es, Es ist nur dadurch, dass es an andere grenzt. Wo aber Du gesprochen wird, ist kein Etwas. Du grenzt nicht. Wer Du spricht, hat kein Etwas, hat nichts. Aber er steht in Beziehung."

Rainer Maria Rilke beschreibt die Begegnung zweier Menschen unter dem Stern ihrer Individualität so treffend: "Darin besteht die Liebe: Dass sich zwei Einsame beschützen und berühren und miteinander reden."

© Bernhard A. Grimm (mit freundlicher Genehmigung des Autors für Pressenet http://www.pressenet.info/)
Web:
http://www.dr-bernhard-grimm.de/ 

Christiane Rühmann - Geschichten

2009-06-19

Die Sage vom Jungfernsprung

Bei Dahn in der Pfalz liegt der Jungfernsprung, ein steiler Felsen, der 70 m hoch ist und den Ort überragt. Wie der Fels zu seinem Namen kam, erzählt die Sage vom Jungfernsprung.

Vor langer Zeit lebten die Menschen im Dahner Tal im Schatten der Adligen und Burgherren, die allerhand Dienste und Fron verlangten, und dafür Schutz boten vor Feinden und Angreifern. Die hochgestellten Herren waren wohl kaum etwas anderes als Raubritter und deren Söldner, und sie benahmen sich kaum besser als die Räuber und Wegelagerer, vor denen sie das Volk schützen sollten. Sie waren eine Plage für die Menschen, die in ständiger Angst und Armut lebten.

Eines Tages ging ein junges Mädchen in den Wald, um Holz und vielleicht das eine oder andere Eßbare zu sammeln. Es war nicht ungefährlich, was sie da wagte, denn man konnte jederzeit einem oder gar mehreren der unangenehmen Gesellen in die Arme laufen. Und helfen konnte dann nur noch Gott. Daher tat sie hastig ihre Arbeit, nicht ohne sich immer wieder ängstlich umzublicken und auf Geräusche achtzugeben.

Während sich die Jungfrau immer weiter bückte, kleine Äste und Zweige aufnahm und zu einem Bündel fügte, erschien ihr der Wald auf einmal sehr still. Es war keine Vogelstimme mehr zu hören, alles war völlig ruhig... zu ruhig. Dem Mädchen fuhr ein eisiger Schauder durch die Glieder, sie richtete sich langsam auf, mit angststeifem Nacken. So verharrte sie einige Herzschläge lang, ohne sich zu rühren.

Da knackte etwas, so als bräche ein Ast unter einem Fuß, unter einem schweren Tritt. Sie fuhr herum und sah einen der Gefürchteten auf sich zukommen... nein, den Allerärgsten. Wie gebannt starrte sie in das Gesicht des langsam näherkommenden Mannes, sah sein breites Grinsen und das starre Funkeln seiner Augen. Er stieß ein heiseres Lachen aus, er war sich seiner Beute sicher und voller Vorfreude.

Der Ton löste ihre Starre, sie ließ das Holz fallen und lief blindlings los. Weg, nur weg von ihm. Halb hörte sie hinter sich einen wütenden Aufschrei, dann splitterte das Unterholz, als der Mann die Verfolgung aufnahm. Das Mädchen rannte ohne Rücksicht auf Ranken und Dornen vorwärts, stolperte und fing sich wieder, sprang über Baumstümpfe, rannte gegen Bäume, verlor kostbare Sekunden.

Der Mann war durch seine Masse und seinen Lederharnisch behindert, aber er brach durch das Dickicht wie ein Rammbock und fiel nicht zurück. Die Jungfrau hatte längst die Richtung verloren, ihr Herz klopfte zum Zerspringen. Sie lief weiter, ohne auf den Weg zu achten. Ihre nackten Beine bluteten und ihre Kleider waren fast in Fetzen, sie merkte es nicht mehr. Nur weiterlaufen, immer weiter.

Dann hinter ihr ein Ruf und ein wildes Lachen, dann Stille. Und es wurde hell vor ihr, der Wald war zu Ende und sie blieb stehen in der hellen Sonne, die plötzlich auf ihrem Gesicht brannte. Mit einem Aufschluchzen erkannte sie, wo sie stand, und dass ihr Weg zu Ende war. Vor ihr war nichts, der Felsen fiel steil viele Meter tief ab. Unter ihr das Dahner Tal und hinter ihr... sie sah sich um. Er stand mit verschränkten Armen nicht weit von ihr auf dem Fels, sein Gesicht eine thriumpherfüllte Fratze. Langsam ließ der Jäger die Arme sinken und kam auf sie zu, gemächlich und fast schlendernd. Er war sich seiner Beute gewiss. Entkommen konnte sie ihm nicht mehr.

Aber im Innern der Jungfrau tat sich in der Verzweiflung ein Weg auf, sie hielt dem Blick des Verfolgers einen Augenblick ruhig stand. Verwirrt verharrte er einen Moment, das war ungewöhnlich für ein Beutetier. Das Mädchen schloss die Augen, ihre Lippen bewegten sich lautlos im Gebet und sie legte die Hände auf ihr Herz. Dann drehte sie sich um und tat einen Schritt ins Leere.

Mit einem lästerlichen Fluch machte der Ritter einen Satz zum Rand des Felsens hin, aber sie war in den Abgrund gesprungen und nicht mehr erreichbar für ihn.

Sie hatte sich in die Hände Gottes begeben, losgelassen von aller Furcht, und ihr Vertrauen wurde belohnt. Denn sie stürzte nicht ins Tal wie ein Stein. Sacht kam sie am Fuß des Felsen auf und blieb unverletzt. Und im gleichen Augenblick sprudelte eine Quelle an derselben Stelle hervor.

Was aus der Jungfrau oder dem Häscher geworden ist, wurde nicht überliefert. Manche sagen, es habe sich um den Raubritter "Hans Trapp" von Weissenburg gehandelt, mit dem die Mütter noch heute ihren Kindern Angst machen, wenn diese nicht folgen wollen.

So jedenfalls kam der große Felsen zu seinem Namen und wurde fortan "Jungfernsprung" geheißen.

Nacherzählt von Ilona Elisabeth Schwartz http://www.pressenet.info/ 

Computer Consultants gets IT done

2009-06-17

Lilith - Eine Legende

Es hatte geschaffen... es war gut. Das neue Wesen war lebendig... es atmete selbständig. Der MANN ging umher und sah, er aß, er schlief... sein Rhythmus passte. Er war neu, aber er entfaltete seine Fähigkeiten Schritt für Schritt... synchron mit den Abläufen des ihn umgebenden Systems. Er passte sich an... das Leben umgab ihn und nahm ihn auf.

Er war solitär und begann diesen Zustand als unbehaglich zu empfinden. Einsam. Er wandte sich an das Schöpfende. Die schöpferische Kraft fühlte die Einsamkeit des Mannes und erkannte dessen Unfähigkeit, sich völlig zu genügen. Das Konzept war auf Kommunikation ausgerichtet. Der Akt wiederholte sich. Ein Pol wurde erschaffen... ebenso gleich und verschieden wie der Mann, um ein duales Konzept zu verwirklichen.

Lilith und Adam waren wunderbare Schöpfungen... sie waren gleich und doch nicht gleich. Lilith war schön... ihr Haar hatte die Farbe der Nacht und ihre Augen hatten den warmen Ton der Erde. Im Gegensatz waren Adams Augen blau wie der Taghimmel und sein Haar so hell wie der Sand am Ufer der See. Sie waren die einzigen und sie hatten alles, was da war und was gut war. Aber sie waren beide stark und beide klug. Lilith liebte die Stärke Adams, sie schätzte seine Klugheit und genoss die Diskussionen über die Welt und das Leben. Aber Adam wusste, was Lilith nicht kannte... er wusste um die Einsamkeit ohne Rede. Er wusste um die Zufriedenheit der gedachten Gedanken ohne Echo. Er war sich unsicher über die Dinge, wenn Lilith nicht sein Echo war. Es war nicht behaglich, wenn ihre Gedanken nicht eins waren. Er war dann nicht völlig ER.

Wenn er zweifelte, verließ Lilith ihn, um ihre eigenen Gedanken in die Welt zu flechten... um mit den Tieren zu spielen... um zu staunen. Zu solchen Zeiten kam sie nicht zu ihm, wenn er nach ihr rief. Sie war eins mit Allem und spürte, daß er dieses Einssein nicht teilen wollte. Adam wollte Einssein wie vorher... und er wollte mit Lilith Einssein. Lilith sollte da sein, aber nicht Lilith sein. Und sollte Lilith sein.

Er tat Dinge, die er nicht kannte... er sagte Dinge, die allein und ohne Hall waren in der Schöpfung. Er sagte zu Lilith: "Ich war hier... du warst nicht hier. Der Hall MEINER Gedanken war hier, bevor der Hall der deinen klang. Ich bin der, der die Dinge sieht. Und sie sind gut, wie ich sie sehe. Du bist später hiergewesen... und hast alles gesehen, nachdem ich es gesehen habe. So ist alles, wie ich es als erster gesehen habe."

Und Lilith sagte: "Ich bin die erste meiner Art, wenn ich auch später meine Gedanken in diese Welt legte. Ich bin dir gleich in allem, ich bin geschaffen wie du... ich bin Lilith." Aber Adam ertrug sie nicht mehr. Sie sollte schweigen oder seinen Worten folgen. Der Ton des Missklangs breitete sich aus und wurde spürbar. Die Welt horchte auf und mit ihr die schöpferische Kraft. Ein Fehler war gemacht worden. Bedauern war überall. Adam hatte das Konzept der Zeit interpretiert und war gescheitert. Lilith kommunizierte mit dem Bedauern und verstand. Das erste Abwenden wurde vollzogen von Adam und von Lilith. Die erste Frau drehte sich um und ging davon, um mit der Schöpfung zu leben.

Wiederum wurde ein Schöpfungsakt vorbereitet. Aber die Substanz wurde von Adams Substanz entnommen und geformt und belebt. Über den erschaffenen Mann wurde wieder erschaffen als Weiterführung und nicht als erste Form. So entstand Eva. Und Eva sandte ihre Gedanken zu Adam, von dem sie stammte. Und sie folgte ihm und sie sah, was er sah und teilte in allem seine Gedanken. Sie war eins mit ihm, nicht aber mit dem Universum. Sie kam aus ihm. Und Adam fühlte Sicherheit und war im Frieden mit sich.

Lilith aber barg neues Leben in sich, als sie ging. Ihre Wege waren ihre eigenen und ihre Taten sind nicht beschrieben. Als im Laufe der Zeit die Nachkommen der ersten Menschen die Erde bevölkerten, wurde die Geschichte von Lilith weitergetragen von Generation zu Generation und verändert, und erzählt als ein Nachtmahr, um die Kinder zu schrecken und die Weiber. Dämonin und Mörderin wurde sie genannt und Kindsräuberin.

So aber ist es gekommen, daß es zwei Linien gibt. Die Töchter der Eva und die Töchter der Lilith.

Text und Fotomaterial mit freundlicher Genehmigung von Puck Grünenwald 

Sebastian Burckhardt

2009-06-16

Gemälde von Roswitha Gehrke-Lajovita: Reise ins Land der Träume

Wie gemalte Poesie fließen die Farben mit großer Eindringlichkeit und Leuchtkraft zu phantastischen Bildern von flammender Eindringlichkeit zusammen. Eigenwillige Interpretationen von Roswitha Gehrke-Lajovita, Werke voller Rätsel und Symbole, geschaffen in einer traditionellen Technik des 17. Jahrhunderts. Träume in Gold, Rot und Blau - in Bildern sichtbar gemacht.

Reise ins Land der Träume

"Reise ins Land der Träume": Das Traumgebilde breitet sich aus, bereit den Betrachter mitzunehmen, wenn er es nur wagt, sich darauf einzulassen. Wie eine Poststation zu einem Ort, an dem alles möglich ist. Hügel, Paläste, bizarre Formen, die sich im Traum einen Lidschlag lang halten, sind zu erkennen. Ein Gesicht taucht auf, das Bild eines oder vielleicht "des" Menschen.

Das Traumpferd mit dem großen Samtauge schenkt einen freundlichen, hintergründig einladenden Blick. Alles ist gewesen, alles wird wieder sein, und es existiert jede Welt, von der wir wollen, dass sie existiert. Die Reise beginnt in uns und führt zu den Geheimnissen der Schöpfung. Alles ist erlebbar, alles ist wert erlebt zu werden. 

Roswitha Gehrke-Lajovita nutzt die Technik der Monotypie nicht so, wie in den Fachbegriffen beschrieben. Weder Glas noch Walzen kommen zum Einsatz. "Die Technik meiner selbstentwickelten, modifizierten Farb-Monotypie-Mischtechnik ist für mich lediglich ein Medium, mit dem ich gezielt, aber auch spielerisch, das was ich möchte, darstellen kann", erläutert die Künstlerin. "Ich kann und will meiner Phantasie und meinen inneren Bildern, die nicht zu kopieren sind, freien Lauf lassen - will erzählen und etwas sagen, anregen und dem Betrachter den Spielraum lassen, sich selbst zu entdecken."

Dabei verlässt sich die in der Dominikanischen Republik aufgewachsene Malerin nur auf ihre Intuition und kann so die Grenzen ihrer Begabung ausschöpfen. Die Künstlerin begann schon mit zehn Jahren zu malen und gehörte bereits in jugendlichem Alter einem dominikanischen Philosophenkreis an.

"Das Leben dort hat mich nachhaltig geprägt, die fröhlich singenden und tanzenden Menschen, ihre Hilfsbereitschaft - und das trotz Armut und auch Elend", erzählt Roswitha aus ihrem Leben dort. "Als Kind habe ich nur spanisch gesprochen und spanisch gedacht - eine andere Art zu denken und zu leben - leichter, lockerer und lebenslustiger." Deutsch lernte sie erst nach ihrer Ausreise nach Deutschland 1962, ein Studium an der Folkwang-Hochschule scheiterte, trotz Stipendum in der Tasche, am Einspruch der Eltern.

Roswitha Gehrke-Lajovita Roswithas Durchbruch gelang Ende der 80er-Jahre mit zahllosen Ausstellungen und Buchillustrationen, weiterhin gründete sie das "Atelier für poetische Malerei", um dort auch Kunstunterricht für Kinder zu geben.

Mit ihren Werken möchte sie den vollkommenen und doch unvollkommenen Menschen in seinem Facettenreichtum darstellen und auch "die eigene Weiblichkeit", die Schwierigkeiten als Frau ästhetisch verpacken.

In ihrem kleinen Kölner Atelier schafft Roswitha Gehrke-Lajovita ständig neue Werke und veranstaltet auch künftig Ausstellungen. "Es treibt mich dazu, im ästhetischen Bereich zu bleiben, Unikate zu malen, und mir selbst treu zu bleiben."

Roswithas Webseite http://www.lajovita.de präsentiert eine Auswahl ihrer Unikate und somit einen kleinen Einblick in ihre äußerst kreative Bandbreite.

Text © Winfried Brumma / Ilona Elisabeth Schwartz / Roswitha Gehrke-Lajovita
Fotos mit freundlicher Genehmigung von Roswitha Gehrke-Lajovita
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Christiane Rühmann - Geschichten